Hier stehen wir, direkt vor der beeindruckenden Statue von Jeanne d'Arc – das Schwert erhoben, reitend auf ihrem Kriegspferd mit Entschlossenheit. Diese Statue wurde im späten neunzehnten Jahrhundert enthüllt und aus einem sehr guten Grund hier platziert. Jeanne kämpfte nicht nur in Schlachten – sie brachte Karl den Siebten, den zukünftigen König von Frankreich, nach Reims zu seiner Krönung, direkt in der Kathedrale von Reims hinter uns. Im fünfzehnten Jahrhundert, während des Hundertjährigen Krieges, führte Jeanne französische Truppen an, um diese Stadt von der Bedrohung durch die Engländer und ihre burgundischen Verbündeten zu befreien. Ihr Ruf als von Gott geleitete Kriegerin hatte sich bereits verbreitet, und als sie sich Reims näherte, versuchte die feindliche Garnison nicht einmal zu kämpfen – sie flohen. Dank ihr betrat Karl die Stadt friedlich und wurde in eben dieser Kathedrale gekrönt, genau wie Jeanne es in ihren Träumen gesehen hatte. Aber Jeannes Geschichte endete nicht mit Triumph. Ein Jahr später wurde sie von den Burgundern gefangen genommen und an die Engländer verkauft. Und leider tat Karl – derselbe Mann, dem sie zur Königswürde verholfen hatte – nichts, um sie zu retten. Jeanne wurde an die kirchlichen Autoritäten übergeben, die immer misstrauisch gegenüber gewöhnlichen Menschen waren, die behaupteten, Botschaften von Gott zu erhalten. Ihre Visionen, so argumentierten sie, müssten vom Teufel stammen. Sie wurde in einem Kirchengericht wegen Ketzerei angeklagt, wo die meisten Richter – mehr als neunzig Prozent – französischer, nicht englischer Herkunft waren. Trotz intensiven Verhörs konnten sie sie nicht dazu bringen, etwas zu sagen, das ihre Schuld eindeutig bewies. Sie setzten sie unter Druck, ihre Visionen zu leugnen und aufzuhören, Männerkleidung zu tragen. Schließlich gab sie nach. Aber das hätte das Ende sein sollen. Stattdessen täuschte man sie. Im Gefängnis wurden ihre Kleider weggenommen und sie wurde mit Männerkleidung zurückgelassen – und als sie diese wieder anzog, sagte man, sie sei rückfällig geworden. Diesmal fügte man die Anklage des Cross-Dressings hinzu, das als ernsthaftes religiöses Vergehen angesehen wurde. Sie wurde verurteilt und nach kirchlichem Recht zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Sie war gerade 19 Jahre alt, als das geschah. Im Verlauf der Jahrhunderte versuchten sowohl die Kirche als auch die französische Monarchie, die Schuld zu verschieben, besonders nachdem sich England vom Katholizismus abwandte. Jeanne wurde allmählich nicht mehr als Ketzerin, sondern als heilige Märtyrerin angesehen. Und im Jahr neunzehnhundertzwanzig, fast fünf Jahrhunderte nach ihrem Tod, erklärte die katholische Kirche sie zur Heiligen. So steht sie hier wieder in ihrer „verbotenen“ Rüstung, nicht mehr als verurteilte Ketzerin – sondern als Schutzpatronin Frankreichs. Ihre Geschichte erinnert uns daran, wie sich Perspektiven im Laufe der Zeit ändern und wie leicht die Wahrheit von denen geformt werden kann, die sie erzählen. Jeanne steht hier heute als Zeugnis für Mut, Ausdauer und die dauerhafte Kraft des Glaubens.