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Warum Menschen unsere Touren weiterhin erstellen (und KI alles andere erledigt)

  • Autorenbild: Bhavana Jayanth
    Bhavana Jayanth
  • 29. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
Humans creating tours assisted by AI to narrate and translate

Die Frage, die einfach nicht verschwindet


Ich wurde unzählige Male gefragt: „Warum trainiert ihr nicht einfach ein Modell, das Touren erstellt? Habt ihr keine existenziellen Ängste, dass KI die Tourific-App bald ersetzt? Warum sollten Menschen für selbstgeführte Touren bezahlen, wenn KI sie generieren kann?“

Das ist eine berechtigte Frage in unserer KI-besessenen Welt. Jeden Tag lesen wir Schlagzeilen darüber, wie künstliche Intelligenz ganze Branchen revolutioniert, Arbeitsplätze automatisiert und menschliche Expertise scheinbar überflüssig macht. Warum sind wir also nicht auf diesen Zug aufgesprungen?

Die einfache Antwort: Wir haben es versucht. Und es funktioniert nicht.


Was passiert, wenn KI Touren erstellt


Wie jedes technologiegetriebene Unternehmen konnten auch wir der Versuchung nicht widerstehen, die Fähigkeiten von KI zur Erstellung von Touren zu testen. Wir fütterten sie mit Daten, gaben ihr gezielte Prompts, trainierten sie mit unseren eigenen meistverkauften Touren als Grundlage und warteten auf die Magie. Was wir stattdessen bekamen, war eine Lehrstunde darin, warum manche Dinge noch immer den menschlichen Touch brauchen.


Problem Nr. 1: Wenn KI zum selbstbewussten Geschichtenerzähler wird (von Fiktion)


Die Probleme mit KI-generierten Touren gehen weit über einfache Ungenauigkeiten hinaus. Wir stießen auf drei grundlegende Schwächen, die KI für die Erstellung von Touren unzuverlässig machen.


Das größte Problem war nicht nur die Ungenauigkeit – es war die selbstsichere Erfindung von Fakten. KI-Modelle neigen dazu, überzeugende Geschichten zu erfinden, die autoritativ klingen, aber komplett falsch sind. Glaubst du mir nicht? Hier ein Beispiel:




Dann kommt noch die geografische Verwirrung hinzu. KI hat Schwierigkeiten mit Orten, die in verschiedenen Gegenden denselben Namen tragen. Soll sie bei der Entstehung der Stadt über Cambridge in Großbritannien oder über Cambridge in Massachusetts sprechen? Die Seufzerbrücke gibt es in Venedig, Oxford und Cambridge – doch jede hat ihre eigene Geschichte und Bedeutung. KI vermischt diese Erzählungen, wirft Fakten durcheinander und erzeugt so irreführende Narrative.


Am wichtigsten ist jedoch: KI fehlt die persönliche Note, die eine Tour wirklich unvergesslich macht. Sie kann dir nicht das familiengeführte Café empfehlen, in das Einheimische tatsächlich gehen, statt der Touristenfalle mit der besseren Suchmaschinenoptimierung. Sie weiß nicht, welcher Aussichtspunkt das atemberaubendste Foto beim Sonnenuntergang bietet. Sie kann nicht erklären, warum eine bestimmte Straßenecke eine besondere persönliche Bedeutung hat, oder ehrlich einschätzen, ob sich ein Museumseintritt für deine Interessen wirklich lohnt.


Gute Touren erfordern Geschmack, Vorlieben und gelebte Erfahrung – Eigenschaften, die KI schlicht nicht nachbilden kann.



Problem Nr. 2: Die visuelle Herausforderung

Touren bestehen nicht nur aus Worten – sie sind zutiefst visuelle Erlebnisse. Präzise, ortsspezifische Bilder mithilfe von KI zu erhalten, erwies sich als nahezu unmöglich. Wir stießen immer wieder auf Verwechslungen von Wahrzeichen, etwa bei unterschiedlichen „Tanzenden Häusern“ in verschiedenen Städten, auf fehlenden Kontext bei architektonischen Details, die für das Verständnis entscheidend sind, und auf die Unfähigkeit, bestimmte Blickwinkel festzuhalten, die das Erlebnis erst wirklich bereichern.

Der visuelle Teil der Tourerstellung zeigt sich nach wie vor erstaunlich resistent gegenüber Automatisierung durch KI. Selbst bei einfachen Anfragen liefert KI häufig nur Links statt tatsächlich nutzbarer Bilder.



Problem Nr. 3: Der Navigations-Albtraum

Am kritischsten ist vielleicht, dass KI keine präzisen, ortsspezifischen Anweisungen liefern kann, die selbstgeführte Touren überhaupt erst funktionieren lassen. Gute Touren erfordern exakte Positionsangaben – etwa, wo man stehen muss, um bestimmte Schnitzereien oder architektonische Details zu erkennen, oder aus welchem Winkel sich der beste Blick für Fotos und Beobachtungen ergibt. Genau hier versagt KI vollständig.



Das Fazit: Menschen gewinnen weiterhin

Unser Ergebnis nach umfangreichen Tests? Menschen sind der KI bei der Gestaltung wirklich bedeutungsvoller Tourerlebnisse klar überlegen.

Wird sich das ändern? Wahrscheinlich. In ein paar Jahren, mit deutlich weiterentwickelter KI und Hunderten von Touren in unserem Trainingsdatensatz, könnten wir selbst ein spezialisiertes Modell entwickeln, das tatsächlich funktioniert. Doch die Realität von heute ist eindeutig: Authentische, fesselnde und verlässliche Touren erfordern menschliche Expertise.



Warum wir KI FÜR Übersetzung und Vertonung einsetzen

Während KI bei der Erstellung von Touren versagt, überzeugt sie bei der Vermittlung von Touren. Auch wenn viele argumentieren, dass dabei Nuancen verloren gehen oder dass KI Eigennamen und Jahreszahlen manchmal falsch ausspricht, gibt es gute Gründe, warum wir uns bewusst für KI bei Übersetzung und Narration entschieden haben.


Die Realität der Skalierung

Heute beherbergt unsere Plattform rund 90 Touren, jede mit etwa 15 Stationen und 3 Minuten Audio pro Station, verfügbar in 9 Sprachen. Das ergibt über 35.000 Minuten vertonten Tour-Contents – und wir erwarten, diese Zahl innerhalb eines Jahres zu verdoppeln.

Dazu kommen regelmäßige Updates: Hinweise zu Schließungen, neue Stationen, inhaltliche Ergänzungen und Verbesserungen auf Basis von Nutzerfeedback. All das bedeutet, dass wir jeden Monat Tausende von Audiominuten aktualisieren müssen.


Die wirtschaftliche Realität

Für diese Größenordnung wären klassische Sprecher:innen logistisch kaum handhabbar – insbesondere, wenn Updates in 9 Sprachen koordiniert werden müssen. Die Qualität würde je nach Sprecher:in und Aufnahmesituation schwanken, und jede noch so kleine Textänderung würde neue Aufnahmesessions erfordern. Das wäre ein permanenter Update-Albtraum.

Hier spielt KI ihre Stärken aus:

  • gleichbleibende Stimmqualität über alle Sprachen hinweg

  • sofortige Aktualisierungen bei Inhaltsänderungen

  • kosteneffiziente Skalierung

Für diese wiederholbaren, skalierbaren Aufgaben ist KI schlicht das ideale Werkzeug.


Die Zukunft: Partnerschaft statt Ersatz

Die eigentliche Frage ist nicht, ob KI irgendwann gute Touren erstellen kann – denn wir sind überzeugt, dass Authentizität nicht algorithmisch ist. Echte Reiseerlebnisse entstehen aus der menschlichen Verbindung zu einem Ort. Der Mehrwert von von Menschen erstellten Touren geht weit über reine Informationsvermittlung hinaus.

Wenn jemand jede Geschichte persönlich recherchiert, Orte selbst erlebt und das Erlebnis anhand echten Nutzerfeedbacks verfeinert hat, entsteht ein anderes Vertrauen als bei rein KI-generierten Inhalten. Touren, die von leidenschaftlichen Einheimischen oder erfahrenen Reiseexpert:innen geschaffen wurden, tragen eine emotionale Tiefe in sich, die Menschen suchen, wenn sie authentische Erlebnisse wollen.


Wir haben keine Angst davor, dass KI alles übernimmt – im Gegenteil. Wir freuen uns darauf, sie zu nutzen, um echte, menschliche Erlebnisse für mehr Menschen zugänglich zu machen.

Wir setzen KI ein, damit unsere menschlich kuratierten Touren mehr Menschen erreichen, in mehr Sprachen verfügbar sind und erschwinglicher werden als je zuvor.

 
 
 

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